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Austausch mit Niort (Frankreich)

br 16. Oktober 2017

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17 Auszubildende und die Kollegen Reincke und Klafki der BBS Meppen waren von Montag, 18.09. bis Freitag, 29.09.2017 für 12 Tage zu Gast in Frankreich.




Das vom dfjw (Deutsch-Französisches Jugendwerk) geförderte Programm ist für gewerbliche Auszubildende offen ausgeschrieben und legt den Fokus auf die berufliche Entwicklung, Sprachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Nachdem im Mai 2017 der französische Kollege Pascal Brunet mit einer Gruppe KFZ-Mechatroniker/ Autolackierer an den BBS Meppen zu Besuch war, fand sich jetzt eine Gruppe motivierter emsländischer Auszubildender, die sich zum Programm: „Die Zukunft der EU aus Sicht junger Auszubildender“ angemeldet hatten.

Neu war dieses Jahr die Unterbringung in 2-3-Bett-Zimmern mitten im Stadtzentrum in Niort in einem Appartementhotel Appart'City Niort Centre. Diese Lösung garantierte kurze Fahrzeiten zu den jeweiligen Praktikumsbetrieben, die teils sogar zu Fuß erreichbar waren und mehr Selbständigkeit für die Auszubildenden bei Einkäufen, Verpflegung und Freizeitprogramm. Interessant zu erleben, wie unsere Schüler auch ohne Französischkenntnisse schon am ersten Arbeitstag herausfanden, wie ohne Wartezeiten die seit Anfang September gratis angebotenen Linienbusse zu nutzen waren, um zurück in die Stadt zu kommen. In der Innenstadt zu beobachten waren auch neue Elektrofahrzeuge des Anbieters transdev, die künftig zum Einsatz kommen könnten: autonom (ohne Fahrer), per Smartphone verbunden mit dem Nutzer, emissionsfrei. Gesteuert per Rechner und Infrarotkameras, zunächst geplant auf definierten Routen um bzw. in die Stadt.

Am ersten Orientierungstag, an dem das lycée Gaston Barré besichtigt wurde mit einer ausführlichen Präsentation der Räume, Werkstätten und des schulischen Angebots ging es nachmittags darum, die Praktikumsbetriebe zu sehen, die jeweiligen Arbeitszeiten abzustimmen und einen ersten Kontakt zu knüpfen. Da die Stadt etwa doppelt so groß wie Meppen ist, war es für manche schon eine Herausforderung, sich den genauen Weg einzuprägen, um am nächsten Tag das mehrtägige Praktikum zu starten. Gemeinsam mit den Meppener Lehrern, die fortan den Transport durchführten und sprachlich weiterhalfen, wo es hilfreich erschien, wurden alle Herausforderungen gemeistert.

Obwohl es bei 17 Teilnehmern nicht für jeden Ausbildungsberuf und Betrieb in einer französischen Stadt ein Pendant gibt, was 1:1 der bisherigen Ausbildung entspricht, gelang es den Teilnehmern insgesamt hervorragend, sich in kürzester Zeit einzuarbeiten und Anerkennung der französischen Kollegen und Ausbilder zu erwerben. So hat mich der Inhaber Alain Ducasse des gehobenen Restaurants „Le plaisir des sens“ (dt.: Vergnügen der Sinne) noch auf der Straße angehalten, um über die Erfahrungen mit dem deutschen Koch-Auszubildenden Lukas Rotter zu sprechen. Lukas hat aufmerksam eine Zubereitung eines aufwendigen Abendmenus beobachtet und war in der Lage, auf Anhieb einen entsprechenden Teller gemäß der Vorgabe anzurichten, der an den Gast herausgegeben werden konnte – eine Erfahrung, die Herr Ducasse nicht unbedingt bei seinen eigenen Kochauszubildenden erwarten durfte. Aufmerksamkeit, Konzentration, Motivation – Schlüsselfähigkeiten, die alle beteiligten Auszubildenden in ihr Praktikum einbrachten.

Besonders hervorgehoben wurden ferner die Auszubildenden der verschiedenen metallverarbeitenden Berufe – hier konnten die Teilnehmer ihre Stärken ausspielen, die sie bereits durch die hervorragende Ausbildung in den emsländischen Betrieben erworben haben. Mit jeder bewältigten Aufgabe wurden die übertragenen Arbeiten anspruchsvoller und der Abschied am Ende des Praktikums schwerer – für beide Seiten. Sichergestellt haben unsere Teilnehmer damit die Bereitschaft der Betriebe, auch künftig deutschen Praktikanten Plätze anzubieten. Fast wird da die Zeit etwas lang bis in 2 Jahren die nächste Austauschgruppe erwartet wird. In zahlreichen Gesprächen wurden mit den französischen Betrieben und den deutschen Auszubildenden die Chancen der Jugendlichen in der EU erörtert: Freiheit, Freizügigkeit, Förderung in der beruflichen Bildung. Chancen, die darauf warten, dass sie motiviert und beherzt ergriffen werden.

In der zweiten Woche lag der Schwerpunkt im Entdecken der Besonderheiten der Region, so auch wieder der Weinanbau in der Gegend um Cognac und die anschließende Verarbeitung zu Cognac. Eine detaillierte Führung mit Erklärungen, Fahrt auf der Charente und Kunst des Verkostens bot das Haus Hennessy, gegründet bereits 1765 von einem irischen Offizier. Unvergessen aber auch die kulinarischen Angebote des Wochenmarkts, so frische Austern, gekochte Schnecken, Fisch in vielen Variationen, Kuhrohmilchkäse und Ziegenkäse, Obst und Gemüse, Baguette und Gebäck – reich zu entdecken und zu probieren. Der Tagesausflug an die Atlantikküste in die Hafenstadt La Rochelle am Sonntag bot dann tatsächlich die Chance bei bestem Sonnenwetter ein spätes Bad im Meer zu wagen und das Flair aufzunehmen: Plage des Minimes, die Promenade am alten Hafenbecken, der moderne Yachthafen.

Höhepunkt auf der Rückfahrt die Zwischenübernachtung in Paris, die Möglichkeit bot zum Besuch der kleinen und großen Highlights der Metropole Frankreichs. Ob Notre Dame, Eiffelturm, Triumphbogen, Champs Elysees, Louvre Museum, Pantheon, Sacre Coeur auf dem Montmartre – die Ziele waren vielfältig. Dank der zentralen Lage des Hotels am Montmartre war alles erreichbar, zu Fuß oder per Metro.

Die Teilnehmer 2017:

Köche: Marlies Adzovic, Sabrina Kaminski, Lukas Rotter, Janinia Schumacher

Hotelfachfrauen: Sandra Bergman, Nathalie Bröker

Konstruktionsmechaniker: Simon Steffens

Metallbauer: Waldemar Engel, Tim Hagen, Sebastian Möckel

Anlagenmechaniker SHK: Lukas Spiekermann

Technischer Produktdesigner: Thori Kwast, Daniel Maathuis

Technischer Systemplaner: Niklas Milke

Mechatroniker: Leon Schomakers

Industriemechaniker: Niklas Faske

KFZ-Mechatronikerin: Anna-Lena Wulf

W. Reincke