Sie benutzen einen sehr alten Browser. Dadurch kann es unter Umständen zu Darstellungsproblemen kommen.
Eine Attraktion der Verkehrssicherheitstage war die Simulation eines Unfalls mit mehreren seitlichen Überschlägen des verunglückten Fahrzeugs

„Unfälle passieren nicht, sie werden verursacht!“

br 11. Juni 2018

zurück



Eine Woche Unfallprävention auf dem Stundenplan der BBS: Die Verkehrssicherheitswoche soll Schülerinnen und Schüler auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen und sensibilisieren.




Die regelmäßig durchgeführte Aktion ist eine gemeinsame Veranstaltung der Verkehrswacht, der Polizei, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Landkreises Emsland. Sie wird im Altkreis Meppen jährlich an unterschiedlichen Standorten durchgeführt. Zum Abschluss der diesjährigen Aktionswoche in den Berufsbildenden Schulen in Meppen ( BBS ) hatten sich die Beteiligten zu einem Abschlussgespräch zusammengefunden.

Risiken erlebbar machen

In seiner Begrüßung stellte Schulleiter Peter Diekmann fest, dass man in der Projektwoche von den fast viertausend Schülerrinnen und Schülern rund 1600 erreicht habe. Dies sei besonders wichtig, da ein großer Teil zur Risikogruppe der 18 bis 25jährigen gehöre, die überproportional an Unfällen beteiligt sei. Aufgrund des Einzugsgebieters der Schule seien zudem lange Anfahrtswege keine Seltenheit. Dies zeige sich auch in den Unfallzahlen. Im Schuljahr 2016/17 habe es zwanzig Wegeunfälle gegeben, im laufenden Schuljahr sogar 23. Rückblickend könne er feststellen, dass das Ziel, die Schüler für die Verkehrssicherheit zu sensibilisieren, voll erreicht worden sei.

Ergänzend stellte Rolf-Dieter Pophanken als Koordinator der Schule das positive Zusammenwirken von Theorie und Praxis vor. Die Risiken im Verkehr z. B. durch einen Fahrsimulator, einen Gurtschlitten und einen Überschlagssimulator erlebbar zu machen, wäre dabei besonders wichtig gewesen. Vertieft wurden diese praktischen Erfahrungen durch Berichte aus der Arbeit der Notfallseelsorge des Ludmillenstiftes, Erläuterungen der juristischen Probleme durch einen Richter und eine Analyse von Unfallursachen durch einen Sachverständigen.

Risiken durch Smartphones

Als Vorsitzender der Verkehrswacht in Meppen dankte Bernd Kaiser allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit. „Das Netzwerk der Beteiligten hat hervorragend funktioniert“, so Kaiser. Sein besonderer Dank galt dem Landkreis Emsland, der in diesem Jahr einen Fahrsimulator zur Verfügung gestellt hatte. Dieser Simulator sei hervorragend angenommen worden und habe so manchem die Augen für die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit geöffnet.

Für die Polizeiinspektion Emsland betonten der Leiter Karl-Heinz Brüggemann und der Koordinator für die Präventionsarbeit, Klaus Wermeling, dass man gar nicht eindringlich genug vor den juristischen, menschlichen und sozialen Folgen eines Unfalls warnen könne. In einer einzigen Sekunde der Unaufmerksamkeit würde ein Unfall das gesamte eigene Leben oder das anderer ruinieren oder gar auslöschen. Besonders wiesen beide noch einmal auf die Gefahren der Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt hin. Dies sei nicht nur verboten und mit Bußgeld belegt, sondern es sei auch ein stark unterschätztes Unfallrisiko. Wer bei 80 Stundenkilometern nur 3 bis 4 Sekunden auf das Handy schaut, legt in dieser Zeit fast 100 Meter im „Blindflug“ zurück. Vollkommen falsch sei es, diese Gefahr zu bagatellisieren und stolz darauf zu sein „wieder einmal nicht erwischt worden zu sein“.

Laut Christof Witschen vom DRK Kreisverband ist das Rote Kreuz nicht nur zuständig, wenn Unfälle bereits geschehen sind, sondern man werde in vielen Bereichen auch präventiv tätig. Viele Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol oder durch Ablenkung – z. B. durch Smartphones - seien grundsätzlich vermeidbar. „Unfälle passieren nicht einfach, sondern sie werden verursacht“, so Witschen. Aufklärungsarbeit könne in diesem Bereich deshalb gar nicht genug betrieben werden. Zwar sei das Rettungswesen im Emsland sehr gut aufgestellt, dennoch sei es aber sinnvoll den Erste-Hilfe-Kurs auch nach dem Führerscheinerwerb gelegentlich wieder aufzufrischen.

Marc-André Burgdorf als Dezernent des Landkreises Emsland bedanke sich für die gute Zusammenarbeit bei allen Beteiligten. Burgdorf ist nicht nur zuständiger Dezernent beim Landkreis Emsland sondern auch im Vorstand der Landesverkehrswacht für das Ressort „Jugendarbeit“ zuständig. Ziel vieler Aktionen der Landesverkehrswacht sei eine Veränderung des Verantwortungsbewusstseins der Jugendlichen. Viel zu oft würden Verkehrsverstöße als Kavaliersdelikte klassifiziert. Den Schülerinnen und Schülern im Rahmen von Veranstaltungen wie der Verkehrssicherheitswoche die Risiken vor Augen zu führen sei deshalb so wichtig.

Auch Walter Reincke als Vertreter der Lehrerschaft blickte zufrieden auf die Woche zurück. So seien die anfangs noch gegebenen Bedenken aufgrund des Eingriffs in den Stundenplan und die üblichen Abläufe einer sehr positiven Einstellung gewichen. „Diese Tage haben wirklich etwas bewirkt“.

Ingo Hinrichs - Meppener Tagespost